Untitled Document
 
.
   Themen
.
· Gesellschaft + Kritik
· Kultur + Kritik
· Deutsches + Kritik
· Repression
.
   Newsletter-Abo
.
Name:
E-Mail:


.
   Kapital-Lesekreis
.

Der Kapital-Lesekreis der Gruppe Gesellschaft im Widerspruch
.
   ISF-Prospekt
.

Das aktuelle Gesamtverzeichnis des ISF als PDF-Dokument.
.
   theorie.org
.
.
   Seite durchsuchen
.

.
.
 
Der "Orientwissenschaftler" Udo Steinbach in Münster
Gesellschaftskritik
 
 
Am 29.11. sollte der Direktor des "Deutschen Orientinstituts", Udo Steinbach, im Rahmen einer Vortragsreihe des Instituts für Politikwissenschaft zum Thema "Die Zukunft des Nahen Ostens" referieren. Steinbach verglich im vergangenen Jahr die israelische Armee mit der SS, und den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 mit dem Terrorismus palästinensischer Gruppen gegen Israel. Steinbach sagte den Termin zwar kurzfristig ab - ein Flugblatt dazu gibt es trotzdem.
Antisemitismus als Massenansatz ???

Einführung :
Theodor W. Adorno bezeichnete den Antisemitismus als ein „Massenmedium“, welches unbewusste Triebregungen, Konflikte und Neigungen „verstärkt und manipuliert, anstatt sie zum Bewusstsein zu erheben und aufzuklären“. Antisemitische Propaganda, letztlich das monotone Wiederholen immergleicher Worte und Gesten, ist ohne mediale Vermittlung wirkungslos. Was einst Schauspiel, Romane und angeblich 'schonungslos enthüllende' Bücher leisteten, wurde alsbald von Agitatoren auf Massenveranstaltungen, Flugblättern und Postkarten übernommen, die Verbreitung antisemitischer Propaganda durch Stereotype und Personalisierungen. So bedienten sich auch die antisemitischen Parteien des späten 19 Jahrhunderts und ihre Führer wie Adolf Stoecker, Otto Böckel oder Hermann Alhwardt gezielt dieser Medien, die in „mimetischen Chiffren“ das „nachahmten“, was den Massen „Jude heißt“, um darüber dem „verpönten (destruktiven) Trieb frönen“ zu können.

Konkretisiert:

Zur Person Steinbach

Nun wird die erste Frage beim Betrachten dieses Flugblattes wohl lauten, „Warum stehen diese Leute da und machen sich die Mühe, mir diese Informationen zu geben?“ Und genau das lässt sich relativ einfach beantworten.
Sieht man sich die Entwicklung der deutschen Gesellschaft an, so ist immer öfter festzustellen, wie von einzelnen Personen versucht wird, die deutsche Geschichte als eine von Vielen zu erklären, sie umzulügen, um die eigene Vergangenheit reinzuwaschen und ad acta legen zu können.
Voller Inbrunst machen sich manche Gestalten daran, die besondere Rolle der Shoah in der deutschen Geschichte zu entsorgen, sie zu einem Verbrechen zu machen von Vielen.
Häufig mit der Absicht, eine so von der Vernunft entledigten Geschichtsbetrachtung gegen den Erzfeind der deutschen Volksstimme, den Juden, oder ihren Staat Israel in Stellung zu bringen.
So auch Udo Steinbach, der sich mit dem Zentralorgan der Neonazi- Szene ohne Probleme zusammensetzen könnte, geht es darum, die Juden zu Nazis zu machen, und die Palästinenser zu den „Juden von Heute“.

So gibt er z.B. von sich:
"Wir müssen dann auch einmal darüber nachdenken, was wir als Terrorismus bezeichnen wollen. Wenn wir sehen wie israelische Panzer durch palästinensische Dörfer fahren und sich die verzweifelten Menschen mit Steinen wehren, dann müssen wir im Blick auf Warschau und im Blick auf den Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto auch fragen dürfen, war das dann nicht auch Terror?"
Eine schöne Erwiderung auf Steinbachs „Entgleisungen“ kam von dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Berlin:

"Wenn in der heutigen Zeit in Deutschland der Leiter eines mit Bundesmitteln finanzierten deutschen Orientinstituts, ein Professor Udo Steinbach, ein sogenannter Orientexperte, die jüdischen Kämpfer des Warschauer Ghettos mit arabischen Selbstmordkillern und Steinewerfern vergleicht, so ist dies nichts anderes als eine bewusste Verharmlosung der Naziverbrechen, eine Verniedlichung Hitlers und eine unglaubliche Schändung des Andenkens der jüdischen Toten"
So fällt die Verharmlosung der Nazigreuel schlussendlich zusammen mit der Sympathie eines Steinbachs, für offen sich auf den Hitlerfaschismus Beziehender, wie z.B. die Hamas oder etwa die Fatah (Siehe Mathias Künzel: Dschihad und Judenhass, Ça-Ira-Verlag). Die Abstraktion von Inhalt und Kontext der Taten macht derartige Äußerungen möglich. Denn nur der andere ökonomische Hintergrund, der Rückzug des eliminatorischen Antisemitismus auf private Gesellschaftsstrukturen, bedingen die mörderische Konsequenz eines „suicide bombers“. Hätte er die materiellen Möglichkeiten, die seinen geistigen Vorgängern in Deutschland gegeben waren, Adorno hätte Unrecht, Auschwitz würde sich wiederholen.

Fazit:

„Selbstmord-Attentäter realisieren jeder für sich, eingebunden in Gruppen, aber relativ unabhängig von den wirklich existierenden Staaten, was einmal die deutsche Volksgemeinschaft mit dem eigenen Staat vollkommen verwachsen umzusetzen wusste: Vernichtung um jeden Preis als Antwort auf die Krise.“ (Gerhard Scheit).

Einen hohen Preis mussten die Menschen bezahlen, die sich am 11.9.2001 im World Trade Center befanden, als sich ein paar Islamfaschisten mit gekaperten Flugzeugen in die Türme stürzten. Eigentlich eine nicht nachvollziehbare Handlung, behauptete Udo Steinbach doch wenige Tage vorher, daß der Islam keinen Einfluss auf die sich „modernisierende“ Gesellschaft im Nahen und Mittleren Osten habe. Klar, und die Erde ist eine Scheibe. Daß Steinbach diese Idee bei der Betrachtung einzig des Iran kam, ist nur ein Punkt mehr, seinen Ausführungen keinen hohen wissenschaftlichen Wert, sondern eher eine Methode zu attestieren.

Offene Antifa Münster / oam.antifa.net

Anmerkung: Das Flugblatt als PDF-Dokument
 
 
 
publiziert am Dienstag, 30. November 2004 // 647 Aufrufe
Beitrag per E-Mail versenden druckerfreundliche Ansicht
 
.




Gruppe Gesellschaft im Widerspruch • Sternstraße 31 • 48145 Münster • ggiw [at] gmx [dot] net